Dienstag, 29. Januar 2013

"Herdprämie" (2007)


Sie steht und wendet glücklich Pfannen,
          sie würzt das Fleisch, streut Knoblauchsalz.
Vom Fußweg, nah beim Küchenfenster,
          trifft sie - ein kalter Frauenblick.
Sie schaut verlegen auf den Braten,
          rührt hektisch ihren Nudelteig.
Sie fragt sich, was die Frau gedacht hat,
          da draußen auf dem Bürgersteig.

Sie schämt sich ihrer Lust am Kochen,
          verbirgt die Hände unterm Schurz.
Verlegenheit lässt sie erröten,
          fast unbemerkt verkohlt das Fleisch.
Im dunklen Rauch sieht sie sich klarer,
          erkennt – ihr fehlt Sozialprestige. 
Sie bleibt in ihrem Ich gefangen,
          verblasst in Barbies Glitzerwelt.

Als Hausfrau wirkt sie wahre Wunder,
          Karriere hat sie nie gemacht.
Sie lebt und lässt die Fremden leben, 
          sie kümmert sich ums Kinderwohl. 
Das Glück, das ihr die Kleinen schenkten,
          holt sich die Eitelkeit zurück.
Wir tränken sie in schalem Mitleid,
          bis sie die Lust am Sein verliert.  

Frauen, Karriere, Familienpolitik, Karrierefrau   

Freitag, 25. Januar 2013

"Freiwillige Ausreise" (2006)


Man legte mir nahe,
am Morgen, um fünf,
es sei nun Zeit zum Packen.

Ich war noch müde
und verstimmt
und ließ die Botschaft sacken.
Sie standen da,
in Uniform,
sie schritten gleich zur Sache.
Mein Reisewunsch
kam waffenklar,
im Schoße der Baracke.

Ich packte mein Leben,
ich packte geschwind,
ich folgte wie befohlen.

Sie trieben mich
durch Sturm und Wind,
sie drohten mit Pistolen.
Ich saß im Wagen,
eingepfercht,
zwei Männer hielten Wache.
Ihr Groll bot sich
dem Argwohn dar,
sie nannten mich: „Schlawacke!“ 

Ich trat aus dem Nebel 
ins schummrige Licht, 
gefesselt und in Ketten.

Ein Schlag traf
eisern ins Gesicht,
kein Mensch mochte mich retten.
So lag ich willig,
klein und schwach,
vergaß die schönen Träume.
Im Zellentrakt hielt
ich mich wach,
von aller Welt verleumdet.

Die Stunden verstrichen,
mein Ziel kam mir nah, 
da half mir kein Verkriechen.

Als ich von oben
Lichter sah’,
konnt’ ich schon Blutdunst riechen.
Man überließ mich
meinem Tod:
Bedenkt, was ich versäumte!
Mein Henker kam
im Morgenrot,
sein Hieb hat mich


geläutert.

Asylanten, Ausländer, Asylpolitik, Immigranten, Abschiebung

Donnerstag, 17. Januar 2013

"Entlassungsproduktivität" (2005)



„Entlassungsproduktivität“ 

Ist die Wirtschaft produktiv,
geht es ans Entlassen. 
Hängen auch die Schultern tief,
bleiben wir gelassen: 

„Langlebigkeitsrisiko“ 

Manche rafft der Tod dahin,
ehe sie sich wehren.
Wer lang lebt, verzehrt Gewinn,
kann sich lang beschweren. 

„Ehrenmorde“ 

Ehrenhaft ist jener Tod,
der sich frei gestaltet.
Selbstentsorgung mildert Not, 
Mitleid wirkt veraltet. 

„Bombenholocaust“ 

Lösen wir das Grundproblem!
Lösen wir’s mit Bomben!
Zieht den Toten Zahn um Zahn
und versetzt die Plomben!

Neoliberalismus, Nazismus, Wirtschaft, Sozialpolitik 

Freitag, 21. Dezember 2012

"Humankapital" (2004)



Horcht, euch ist ein Kind geboren,
Märkte, jubelt! Frisches Fleisch!
Ist es wohl zum Dienst erkoren?
Oder wird sein Leib verfeilscht?

Wie viel Nutzen wird es bringen?
Welchen Zweck schreibt ihr ihm zu?
Wird es modeln, wird es singen?
Setzt es sich als Star zur Ruh? 

Kind! Verplant sind deine Stunden,
zukunftssicher investiert.
Ist dein Spieltrieb überwunden,
hat die Mühe sich rentiert.

Finde ein Talent, das Geld bringt,
blühe ökonomisch auf.
Sei ein Nützling, der im Chor singt,
dann marschierst du steil bergauf.

Achte auf den Ruf des Fortschritts,
meide alles, was nichts zählt.
Schäme dich für keinen Fehltritt,
wenn du deine Wege wählst. 

Horcht, euch ist ein Kind geboren,
Märkte, jubelt! Frisches Fleisch!
Ist es wohl zum Dienst erkoren?
Oder wird sein Leib verfeilscht?

Wie viel Nutzen wird es bringen?
Welchen Zweck schreibt ihr ihm zu?
Wird es modeln, wird es singen?
Setzt es sich als Star zur Ruh?
Neoliberalismus, neoliberal, Effizienzdenken, Ökonomisierung, Kampagnen



Mittwoch, 12. Dezember 2012

"Tätervolk" (2003)


Täter lauern hinter Bäumen, im Gebüsch, am Wegesrand.
Was Verbrecher sich erträumen, weiß allein der Täterstand.
Wer's früh lernt, der mordet besser. Gute Killer wissen das.
Wetzen Häscher ihre Messer, zittern Opfer - leichenblass. 

"Tätervolk", aus deinen Reihen, rekrutiert der Tod sein Korps.
Kinder, die aus Mordlust schreien, bringen Schmerz und Pein hervor.
Wir bedienen uns der Mörder, wenn es das Geschäft verlangt.
Volk, du machst uns keinen Ärger, weil es dir vor Tätern bangt.

Schwört den Väterchen die Treue, jubelt den Verbrechern zu.
Ketzerei verlangt nach Reue, Fehlgedanken sind tabu.
"Abweichler" erstarren ängstlich, richten sich am Zeitgeist aus.
Steter Mord stimmt stets versöhnlich, Wahrheit ist der Macht ein Graus
 
Täter lauern hinter Bäumen, im Gebüsch, am Wegesrand.
Was Verbrecher sich erträumen, weiß allein der Täterstand.
Wer's früh lernt, der mordet besser. Gute Killer wissen das.
Wetzen Häscher ihre Messer, zittern Opfer - leichenblass. 

Amerika, Republikaner, Volksverhetzung, Abweichler, Islamismus

Donnerstag, 6. Dezember 2012

"Ich-AG" (2002)


Zerlegt in tausend Einzelteile
verkaufe ich mich Stück um Stück.
Die Kunden haben Langeweile,
man legt mich ins Regal zurück.
     Der Markt befindet
     mich als wertlos.
     Man traut mir nicht -
     ich bin erfolglos!
Mein Börsengang scheint ohne Glück. 

Schon sehe ich mich als Verlierer,  
der Hauptgewinn bleibt außer Sicht.
Drum singe ich Gesellschaftslieder
und übe mich im Lohnverzicht. 
     Geschäftsidee -
     da bist du endlich.
     Du lagst so nah,
     doch - unverständlich! -
Ich sah dich und ich sah dich nicht.

Nun biete ich als freier Händler
Optionen auf Organe an.
Mein Herz gehört dem Mittelständler,
der sich Organe leisten kann.
     Ich mauser mich:
     vom Ladenhüter,
     zum Trader
     optionaler Güter,  
mein Endkonzept lockt Eigner an.

Schröder, Hartz, Agenda 2010, Organspende, Lohnverzicht, Mittelstand
        

Samstag, 1. Dezember 2012

"Gotteskrieger" (2001)


Im Osten lauern "Gotteskrieger",
ein "Kreuzzug" spaltet die Nation.
Am Ende gibt es keine Sieger,
das Töten hat sich nie gelohnt.

"Top" nennt der Wahnsinn nun auch Terroristen.
Sie zelebrierten ihr Handwerk perfekt.   
Asche steigt auf, während Rächer sich rüsten.

Flugzeuge haben den Frieden zerlegt.

Zwei Feinde brüllen unversöhnlich,
ihr Hass bringt tausendfachen Tod.
Der Krieg verläuft so ganz gewöhnlich:
Erst trifft die Bombe, dann die Not.

Islamismus, Kreuzzug, Krieg, Terror, Al Quaida, Bin Laden