Dienstag, 12. Februar 2013

"Döner-Morde" (2011)


Döner-Morde
Braune Horde

Schöne Worte
Sachertorte

Große Hürde
Menschenwürde

Oft geschehen
Nie gesehen

Stetig leiden
Krieg vermeiden

Menschen gehen
Fahnen wehen

Schwere Bürde
Letzte Hürde

Klang der Sprache
Schöne Sache

Niemals wieder
Böse Lieder

Blick verloren
Nie geboren 

Böse Orte
Ohne Worte

Braune Horde
Döner-Morde

Montag, 11. Februar 2013

"Alternativlos" (2010)


Weg der Wahrheit, Weg der Weisheit,
Weg zur reinen Effizienz,
Weg des Booms banaler Klugheit,
Weg zur letzten Konsequenz:

Du allein verheißt uns Fortschritt!
Du allein gewährst uns Glück!
Jeder unbedachte Fehltritt,
fällt auf uns wie Gift zurück!

Hell erstrahlt die reine Lehre,
Wohlstand quillt aus ihr empor.
Kommt das Hirn uns in die Quere,
steht uns großes Leid bevor:

Drangsal, Not und Altersarmut
spülen die Bedenken weg.
Wer sich mit dem Glauben schwer tut,
wälzt sich bald schon nackt im Dreck.

Regeln müssen fügsam fallen, 
Eigentum beherrscht das Land.
Milliardäre helfen allen,
selbst dem Schuft vom tiefsten Stand.

Gerne zahlen wir die Schulden,
die der Zins erschaffen hat.
Wir sind gut im Prügel dulden,
wittern niemals Hochverrat.

Nur der eine Weg führt vorwärts,
er allein ist marktkonform.
Eilt ins Nichts und stolpert talwärts!
Jeder bläst ins selbe Horn.

Freitag, 1. Februar 2013

"Betriebsratsverseucht" (2009)


Niemand entkommt dem Dekontaminierer.
Er ist im Auftrag von Molocha unterwegs.
Fremdkörper verseuchen das Unternehmen
und hemmen es in seiner Entwicklung.
Bevor er das Areal untersucht, schnallt er
sich ein „Intelligentes Wirksystem“ auf
den Rücken. In seiner Schutzkleidung erinnert
er an einen Astronauten, der sich im
Planeten geirrt hat. Durch den Atemschutz
dringt das gleichmäßiges Rasseln des
Aircleaners, ein Geräusch, das ihn gleichzeitig
besänftigt und zu Höchstleistungen anspornt.

Während er die Treppen empor klimmt,
malt er sich aus, wie er sein Wirksystem
einsetzen wird. Dabei löst er das Schlauchende
vom Rucksack und prüft die Messanzeige des
Garbage-Analyzers. Das Gerät lotst ihn zum 
dritten Stock, wo sich etliche Störer eingenistet
haben sollen. Unterwegs erntet er aufmunternde
Blicke von leitenden Angestellten. Eine
Jungmanagerin hebt den Daumen und
zwinkert ihm zu, als wollte sie ihn auf ihre
Freundesliste setzen. Danach stakst sie mit
wehendem Haar weiter ins Büro.

Der Dekontaminierer fühlt sich willkommen.
Berauscht von seiner Mission begibt er sich 
in den "betriebsratsverseuchten" Quadranten. 
Er liebt das schmatzende Geräusch seiner 
Gummisohlen auf Linoleum. Der Garbage-
Analyzer erkennt drei Mitarbeiter, die sich 
im Großraumbüro um den Kaffee-Automaten 
scharen. Sie meckern über das Lohngefälle 
zwischen Management und Kundenberatung.  
Als der Dekontaminierer sich zu ihnen gesellt, 
blickt er in überraschte Gesichter. Ein Stoß aus 
seiner Staubkanone beseitigt alle Probleme.

In der nächsten Viertelstunde geht es Schlag
auf Schlag. Der Garbage-Analyzer spürt 
die Störer in den verstecktesten Winkeln auf:
Jede subversive Regung erstickt in einem
Nebel aus Giftstaub, während die willigen 
Elemente jubeln. Nach ihm wird Stille einkehren, 
denkt sich der Dekontaminierer, aber die Zukunft
der Fleißigen ist gesichert. Er hält den Schlauch
unter den Schreibtisch, wo sich die abtrünnige
Chefsekretärin verschanzt hat. Als er sie 
neutralisiert, denkt er schon an seinen nächsten 
Auftrag: "Flüchtlingsbekämpfung" in Italien.

Betriebsrat, Gewerkschaft, Unterdrückung, Intelligente Wirksysteme, Flüchtlingsbekämpfung 

Mittwoch, 30. Januar 2013

"Notleidende Banken" (2008)


Erst wenn ihr die letzte Bank beraubt, den letzten Kredit ergaunert, den letzten Juppie vertrieben habt, werdet ihr feststellen, dass man ohne Geld nichts essen kann.

(Sitting Steinbrück, 2008) 

Banken, Finanzen, Finanzsystem, Indianer, Peer Steinbrück, Finanzkrise, Bankenkrise

Dienstag, 29. Januar 2013

"Herdprämie" (2007)


Sie steht und wendet glücklich Pfannen,
          sie würzt das Fleisch, streut Knoblauchsalz.
Vom Fußweg, nah beim Küchenfenster,
          trifft sie - ein kalter Frauenblick.
Sie schaut verlegen auf den Braten,
          rührt hektisch ihren Nudelteig.
Sie fragt sich, was die Frau gedacht hat,
          da draußen auf dem Bürgersteig.

Sie schämt sich ihrer Lust am Kochen,
          verbirgt die Hände unterm Schurz.
Verlegenheit lässt sie erröten,
          fast unbemerkt verkohlt das Fleisch.
Im dunklen Rauch sieht sie sich klarer,
          erkennt – ihr fehlt Sozialprestige. 
Sie bleibt in ihrem Ich gefangen,
          verblasst in Barbies Glitzerwelt.

Als Hausfrau wirkt sie wahre Wunder,
          Karriere hat sie nie gemacht.
Sie lebt und lässt die Fremden leben, 
          sie kümmert sich ums Kinderwohl. 
Das Glück, das ihr die Kleinen schenkten,
          holt sich die Eitelkeit zurück.
Wir tränken sie in schalem Mitleid,
          bis sie die Lust am Sein verliert.  

Frauen, Karriere, Familienpolitik, Karrierefrau   

Freitag, 25. Januar 2013

"Freiwillige Ausreise" (2006)


Man legte mir nahe,
am Morgen, um fünf,
es sei nun Zeit zum Packen.

Ich war noch müde
und verstimmt
und ließ die Botschaft sacken.
Sie standen da,
in Uniform,
sie schritten gleich zur Sache.
Mein Reisewunsch
kam waffenklar,
im Schoße der Baracke.

Ich packte mein Leben,
ich packte geschwind,
ich folgte wie befohlen.

Sie trieben mich
durch Sturm und Wind,
sie drohten mit Pistolen.
Ich saß im Wagen,
eingepfercht,
zwei Männer hielten Wache.
Ihr Groll bot sich
dem Argwohn dar,
sie nannten mich: „Schlawacke!“ 

Ich trat aus dem Nebel 
ins schummrige Licht, 
gefesselt und in Ketten.

Ein Schlag traf
eisern ins Gesicht,
kein Mensch mochte mich retten.
So lag ich willig,
klein und schwach,
vergaß die schönen Träume.
Im Zellentrakt hielt
ich mich wach,
von aller Welt verleumdet.

Die Stunden verstrichen,
mein Ziel kam mir nah, 
da half mir kein Verkriechen.

Als ich von oben
Lichter sah’,
konnt’ ich schon Blutdunst riechen.
Man überließ mich
meinem Tod:
Bedenkt, was ich versäumte!
Mein Henker kam
im Morgenrot,
sein Hieb hat mich


geläutert.

Asylanten, Ausländer, Asylpolitik, Immigranten, Abschiebung

Donnerstag, 17. Januar 2013

"Entlassungsproduktivität" (2005)



„Entlassungsproduktivität“ 

Ist die Wirtschaft produktiv,
geht es ans Entlassen. 
Hängen auch die Schultern tief,
bleiben wir gelassen: 

„Langlebigkeitsrisiko“ 

Manche rafft der Tod dahin,
ehe sie sich wehren.
Wer lang lebt, verzehrt Gewinn,
kann sich lang beschweren. 

„Ehrenmorde“ 

Ehrenhaft ist jener Tod,
der sich frei gestaltet.
Selbstentsorgung mildert Not, 
Mitleid wirkt veraltet. 

„Bombenholocaust“ 

Lösen wir das Grundproblem!
Lösen wir’s mit Bomben!
Zieht den Toten Zahn um Zahn
und versetzt die Plomben!

Neoliberalismus, Nazismus, Wirtschaft, Sozialpolitik