Samstag, 17. November 2012

"Peanuts" (1994)


Er grinst und zeigt das Siegeszeichen.

Die Zukunft liegt in seiner Hand.

Wer will sich nicht mit ihm vergleichen?

Wer wär' nicht gern von seinem Stand?


Die Hetzer schmieden neue Worte

Beschönigen das böse Spiel.

Herr Kopper steht auf Erdnusstorte.

Dem Volk wird schlecht: Er frisst zu viel.


Wer störte, wurde einst entlassen,

Nun "setzt" der Unternehmer "frei".

Noch mag das Übel keiner fassen:

Wir werden schließlich reich dabei!

Donnerstag, 15. November 2012

Wo liegt denn nun der Hund begraben?



Ich habe einen Hund begraben.
Er liegt nicht tief, drum stinkt er so.
Nie wieder will er Brekkies haben.
Vielleicht wird er im Jenseits froh.

Im Chefbüro fault sein Kadaver,
fast unbeachtet, vor sich hin.
Die dicke Luft verprellt die Schwafler.
Darin lag des Begrabens Sinn.

Gestank dringt aus den Mauerritzen,
im Aktenschrank vergilbt Papier.
Nicht jeder mag den Dunst aussitzen,
nicht jedermann gefällt es hier.

Man kann sich an Gestank gewöhnen,
an Büromuff und Mobkultur.
Wo Meuchelmünder heuchelnd tönen,
vibriert der Bürokratenschwur.

Wo liegt denn nun der Hund begraben?
Die Nase registriert: es stinkt.
Wer mag sich an Büroluft laben?
Vielleicht, wer immer tiefer sinkt.

Freitag, 9. November 2012

Vom Vollzeitäquivalent zum Daseinswert


Endlich sind wir vergleichbar.

    Wir messen uns in VZÄ.

        Fehlt nur noch der Einheitslohn.

    Zum Beispiel das Durchschnitteinkommen.

Oder der Mindestlohn.

    
    So lässt sich Humankapital bewerten.

        Den Medizinalkoeffizienten

    sollten wir nicht vergessen!


Eins durch Anzahl der Arztbesuche

    Mal Medikamentenaufwand...

        ...hängt eng mit der persönlichen

    Lebenserwartung zusammen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung

    
    dient als Richtwert.

        Daraus errechnet sich der

    Restwertmultiplikator.


Er ist Zwei, wenn sich die persönliche

    Lebenserwartung mit dem 

        Renteneintrittsalter deckt.

    Jedes zusätzliche Lebensjahr schlägt

mit einem Abzug von 0,1 zu Buche.

    
    Bis Null. Daraus lässt sich der

        Daseinswert errechnen.

    Neubürger werden nach ihren


...Eltern bewertet.

(Sinkt der Daseinswert auf Null, 
sollte der Betroffene abgelebt werden)

 

Politische Lügen

Am Anfang kann man sie erkennen,
die Lügen aus dem Mund der Macht.
Dann stürzen Schwindler sich ins Rennen,
dann wird die Wahrheit platt gemacht.

„Der Boom, seht an, wie macht er glücklich,
die Mühen tragen reiche Frucht!“
Gekaufte Blätter nehmen Rücksicht,
der Unsinn wird als wahr verbucht.

Wo Lügen noch nicht ganz gelingen,
da hilft die Meinungspolizei.
Wer nachdenkt, der soll albern klingen,
denn Selbstzensur hält meinungsfrei.

Schon singt der Chor der Spezialisten,
sein Liedgut dringt sakral ins Ohr.
So lässt Kritik sich überlisten,
der Mensch vergisst, was er verlor.

Am Ende droht die Katastrophe,
das Lügenbauwerk bricht entzwei.
„Wir lagen richtig!“, schallt’s bei Hofe.
„Die nächste Wahrheit - die befreit!“

Sonntag, 4. November 2012

Die Kampagne (INSM)

Gehen Argumente aus,
wächst der Argwohn, dir zum Graus –
kauf den Herrn Professor!

Gut bezahlt, bezeugt er dir,
dass nur du die Welt kapierst –
küre ihn zum Mentor!

Wissenschaft wird Religion,
spottet dem Verstande Hohn –
doch was soll’s – sie glauben!

Mach die Lügen Schwarz auf Weiß,
Blindheit lähmt, auf dein Geheiß –
salzt Herr Trugschluss Augen!

Professoren stützen dich,
du stehst unerschütterlich –
das bewirken Titel.

Packe ihre Taschen voll,
dann verstummen Zorn und Groll –
Glaube ist ihr Mittel.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Vorsorge für Private

Wisst ihr wo die Rentner sind?
Sie balgten sich im Eiseswind.
Nun stehen ihre Hütten leer
und liegen ihre Leiber quer -

das ehrt sie!

Der Groschen fiel ins kalte Nichts,
im Angesicht des Lohnverzichts.
Wer riestern konnte, riesterte,
die andern Toren flüsterten

vom Tode.

Die Zocker rühmten den Ertrag,
der vage in der Zukunft lag.
Politiker beklatschten sie,
und Gelder flossen schnell wie nie

nach oben.

Da freute sich das Maklerherz,
manch Zeigefinger mahnte: Schmerz!
Die Renten wurden investiert,
nur leider hat sich's nicht rentiert -

wie schade! 

"Investments bergen Risko,
das war, ihr Nörgler, immer so!"
So lobte der Gewinner sich,
eh' er sich aus der Szene schlich,

nach Eden...

Freitag, 19. Oktober 2012

Anette

Wer schmollt mit bitterböser Schnute?
Wer schwang den Kritikern die Rute?
Anette S., das Gnadenkind.

Sie stand noch nie in einer Schlange,
ihr war noch nie um Pfründe bange,
sie herrschte sorglos, lebensblind!


Verblichen scheint die Doktorehre,
was bleibt ist eine Schulmisere,
die bitter die Gemüter plagt.

Anette ist in aller Munde,
erlebt den Absturz Stund um Stunde.
Elitenschutz hat bös versagt.


In längst vergess’nen, schönen Zeiten,
da schonte man die Blitzgescheiten,
den Ruhm verbriefte ein Papier.

Anette muss sich erstmals sorgen,
ein Hauch von Übel bringt der Morgen,
mit Hohn und Spott, pikant serviert.


Sie schlug sich tapfer als Minister,
bekämpfte die Sozialphilister,
der Bildungsnotstand schrie: Reform!

Nun drücken sie Gerüchte nieder,
der Mob will ihr ans Ehrgefieder,
da geifert sie, entbrannt vor Zorn.


Wer hat den Doktor bloß geschrieben?
Wie hieß er noch? Herr Bock von Drüben?
Wenn sie’ erfährt, verklagt sie ihn.

Anette wird ihn überführen,
ihn scheibchenweis' zum Fraß servieren
dann rettet sie, was ehrbar schien.