Donnerstag, 12. Juli 2012

Wo ist unser Geld?


Ketzer

Ich kenne den Weg – Sie nicht.
Was bilden Sie sich ein?
Ich bin die fleischgewordene Kompetenz.
Fallen Sie uns nicht in den Rücken.
Sie verwirren  nur das Volk.
Nur ich kann den Euro retten.

Ich kenne den Weg – Sie nicht.
Ich kenne die Wahrheit.
Ich kenne das Ziel.
Ich sichere Vermögen.
Jahrelang habe ich getan, was Sie gesagt haben -
weil ich kompetent bin.

Und jetzt soll das nicht mehr gelten?
Nein, meine Ideen bleiben -
Und Ihre Ideen verrate ich nicht.
Das System muss leben.
Gleichheit ist von Übel.
Es lebe der Unterschied!

Unterschätzen Sie mich nicht.
Ich lese Kleingedrucktes – Sie nicht.
Ich bin Jurist – Sie nicht.
Ich bin klug – Sie nicht.
Weil ich kompetent bin
und Grimassen schneide.

Erkennen Sie mich?
Erkennen Sie meine Kompetenz?
Wir kennen den Weg – Sie nicht.
Das Volk ist eine Herde von Schafen.
Verwirren Sie nie die Herde!
Sonst werde ich böse.

Montag, 9. Juli 2012

Anleitung zur Versklavung


Sklaven

Wer Macht hat, braucht devote Sklaven,
einst fand man sie am Marktbasar.
Nur in versteckten Machtenklaven
hat sich der Brauch bis heut‘ bewahrt.

Man sah den Männern auf die Zähne,
betastete die Muskelpracht.
„Vielleicht da vorne rechts, die Schöne?“
„Nein, nein, zu teuer - nicht heut’ Nacht.“
 
Die Sklavenhändler fanden Wohlstand,
die Gelder flossen - skrupellos.
Der hohe finanzielle Aufwand,
war Sklaventreibern nie zu groß.

Am Ende zwang das Recht den Handel,
die Sklaverei schien abgeschafft.
Schon kam er, der Bewusstseinswandel,
da haben wir uns selbst versklavt.

Der Vorteil: All die neuen Sklaven,
sind kostenlos und scheinbar frei.
Man kann sie durch Entlassung strafen,
allein die Drohung hält sie klein.

Sobald sie nicht mehr funktionieren,
entsorgt der Herr sie im System.
Sie dürfen dann die Welt schockieren –
so faul, so nutzlos, so bequem.

Der hochmoderne Sklaventreiber,
gilt rechnerisch als Edelmann.
Denn fehlten alle Halsabschneider –
wo stünde unsre Wirtschaft dann?

Freitag, 6. Juli 2012

Geld für "die Bank"

Schaut nur, diese trüben Blicke,
diese Trauer im Gesicht.
Früher hatten sie es dicke,
jetzt gedeiht der Mammon nicht.

Boni flossen einst wie Flüsse,
mündeten ins Portemonnaie.
Schickt den Armen Geld und Küsse,
ewig dankt‘ s die Haute-Volee!

Wollen wir sie zügig retten?
Schließlich geben sie uns Brot -
Quietscherädchen muss man fetten,
sonst zerbröselt sie die Not.

Banker, nimm dir deinen Schoppen!
Nuckle emsig, werde groß.
Lass dich nicht beim Zocken stoppen,
denk‘ nur an dein Rettungsfloß.

Komisch - wie geht das zusammen?
Einerseits verarmen wir.
Andrerseits füllt Gold die Kammern,
Sack für Sack, beim hohen Tier.

Ich will gern auf viel verzichten,
geht es nur den Großen gut.
Wenn sich einst die Schleier lichten,
dann gerät das Volk in Wut.

Wer im Schatten leise flüstert,
wer sich hinter „Bank“ verbirgt.
Der sei künftig gut gerüstet,
wenn der Zorn die Seinen würgt.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Dirk Niebels Ideen

Hi, ich bin Dirk, hab' ne dufte Idee.
Steuern sind blöd, doch der Mob trägt das Weh.
Legalisieren wir doch die Vernunft!
Dann zahlt nur der, dessen Geldbörse schrumpft.

Schaut mal ihr Griechen, betrachtet's mal so:
Reiche beschneiden wär herzlos und roh.
Sie geben Arbeit, sie füttern das Volk,
all euer Glück hängt an deren Erfolg.

Darum, ihr Kleinen, zeigt Brüderlichkeit.
Nur so erstickt in der Hilfe das Leid.
Zahlt weiter Steuern, dann fließt wieder Zins,
damit der Gläubiger lebensfrisch grinst.

Dienstag, 3. Juli 2012

Mein Klimagipfel

Lass uns nach Rio reisen!
Alle Welt ist da. Denk nur an das
Meeresfrüchtebankett -
einzigartig, was die Brasilianer
auf den Tisch zaubern.
Und für die Abendunterhaltung
ist auch gesorgt:  Südamerikanische
Tanzeinlagen, Samba,
Trommelwirbel, Leidenschaft –
kalte Herzen.

Jeder Punkt, gegen den ich stimme,
erhöht meinen Komfort.
Ein seltsamer Gipfel ist das.
Aber ich bin gerne hier:
Stimmen an der Bar,
Cocktails, Rotwein,
Wildlachs,
spanische Oliven,
brasilianische Miezen -
Da bleibt kein Wunsch offen. 

Gewinner der Welt:
vereinigt euch!
 Wir feiern die Sonne
   und loben das Leben.
Erst nasche ich von den Kirschen,
dann von den Latinas.
Das betörende Summen
der Klimaanlage
gefällt den Mädels.
Da spüre ich meinen Puls.
Da weiß ich -
warum ich hier bin.